Zürich – Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) zeigt auf, dass der Anbau von Kokos, Ölpalme und Soja deutlich mehr zum Verlust von Tier- und Pflanzenarten beiträgt als bisher gedacht. Der stetig steigende Verbrauch verursacht das Artensterben jedoch nicht dort, wo diese Öle konsumiert werden.
(CONNECT) Die ETH beziffert in einer neuen Studie den Verlust von Artenvielfalt durch Ölpflanzen auf rund 1,5 Prozent der weltweiten Biodiversität. Damit sind laut einer Mitteilung der Hochschule unter diesen Gewächsen vor allem Ölpalme, Soja und Kokos für mehr Artensterben verantwortlich als bisher angenommen. Zusammen stehen sie für rund 75 Prozent des Biodiversitätsverlusts durch Ölpflanzen.
Das sind Ergebnisse des Forschungsteams um Stephan Pfister, der an der ETH Professor für Quantitative Nachhaltigkeitsbewertung ist. Die Gruppe war in dieser weltweit ersten Studie zum Thema der Frage nachgegangen, wie stark der zunehmende Anbau und Konsum von Ölpflanzen Tier- und Pflanzenarten gefährdet.
Dafür analysierte das Team globale Daten, die über mehrere Jahrzehnte zu Produktion, Handel und Landnutzung gesammelt worden waren. Ausserdem erstellte es auf Basis von Satellitendaten, landwirtschaftlichen Statistiken und globalen Datensätzen Karten des weltweiten Ölpflanzenanbaus. Zudem berechneten die Forschenden, wie stark verschiedene Formen der Landnutzung Tier- und Pflanzenarten gefährden.
Darüber hinaus macht die Studie die Auswirkungen des Ölpflanzenanbaus entlang der globalen Lieferketten sichtbar. Daher lässt sich nun etwa nachvollziehen, wie Soja aus Brasilien als Tierfutter in China oder Europa verfüttert wird „und so letztlich den hohen Fleischkonsum ermöglicht“.
Zwischen 1995 und 2020 ist der Verlust von Biodiversität um 80 Prozent gestiegen – aber nicht in erster Linie wegen des weltweiten Bevölkerungswachstums, erklärt Doktorand und Co-Autor Shuntian Wang: „Der Pro-Kopf-Verbrauch ist der wichtigste Treiber für den Verlust an Biodiversität. Dabei entsteht dieser zu einem grossen Teil nicht an dem Ort, wo konsumiert wird.“
Besonders betroffen sind tropische Regionen. Doch werden diese Effekte zu 80 Prozent durch die EU, China und die USA verursacht. „Ein wichtiger Hebel ist, in den Produktionsländern in bessere Produktion und den Schutz von Ökosystemen zu investieren“, so Pfister. Vor allem müsse sich aber unser Konsum verändern. ce/mm
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