Autor: Stephan Lendi
Die Robotik steht an einem Wendepunkt: Was früher Grosskonzernen mit Millionenbudgets vorbehalten war, wird dank innovativer Geschäftsmodelle wie Robonnement auch für kleine und mittlere Unternehmen zugänglich. Im AI Talk Podcast spricht Nimrod Malinas, Gründer und CEO von Robonnement, über seine Vision, Roboter für alle verfügbar zu machen, über die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Demokratisierung – und darüber, warum Träumen und Bodenhaftung kein Widerspruch sind.
Vom Familienbetrieb zur Robotik-Revolution
Nimrod Malinas’ Werdegang ist geprägt von Pragmatismus und Vision. Ursprünglich im Schweizer Familienunternehmen für industrielle Lackieranlagen tätig, wurde er immer wieder mit zwei Problemen konfrontiert:
„Es gab kaum noch Menschen, die bereit waren, diese Jobs zu machen. Und die, die es taten, arbeiteten oft unter gesundheitsschädlichen Bedingungen“, erinnert sich Malinas. Die Idee, Roboter einzusetzen, lag nahe – doch die Einstiegshürden waren enorm: „Ein Industrieroboter kostete oft eine Viertelmillion Franken. Über 80 Prozent der Betriebe arbeiteten weiterhin manuell.“
Robonnement: Roboter im Abo-Modell
Hier setzt Robonnement an: Statt Roboter teuer zu kaufen, können Unternehmen sie im flexiblen Abo-Modell nutzen – ähnlich wie beim Carsharing oder bei Software-Subscriptions. „Wir wollten Robotik demokratisieren. Unsere Vision ist, dass jeder Zugang zu Robotern bekommt – nicht nur Grosskonzerne. Mit einem Abo-Modell senken wir die Einstiegshürde radikal.“
Das Konzept traf den Nerv der Zeit: Während die Wirtschaft zunehmend auf flexible Nutzung statt Besitz setzt, öffnet Robonnement die Tür zu Automatisierung für Branchen, die bisher aussen vor waren. Heute reicht das Einsatzspektrum von Lackierrobotern über Barista-Roboter bis hin zu Reinigungs- und Serviceanwendungen.
Von der Lackierkabine zum Barista-Roboter – und darüber hinaus
Was als Lösung für die Malerbranche begann, entwickelte sich schnell weiter.
„Wir haben die Bewegungen der besten Lackierer digitalisiert und in der Cloud gespeichert. Daraus wurde ein Machine-Learning-System, mit dem wir die Handgriffe der Profis auf Roboter übertragen können.“
Dieses Prinzip lässt sich auf viele Bereiche übertragen:
Malinas betont: „Wir wollen keine menschliche Nähe ersetzen, sondern repetitive, unattraktive Aufgaben automatisieren. So bleibt mehr Zeit für das, was Menschen wirklich ausmacht: Kreativität, Empathie und Service.“
Mensch und Maschine: Zusammenarbeit statt Verdrängung
Die Angst vor dem Jobverlust durch Roboter begegnet Malinas mit Realismus und Verantwortung: „Viele der Jobs, die wir automatisieren, werden heute schon kaum noch gemacht – weil sich niemand mehr dafür findet. Unser Ziel ist es, Menschen von gefährlichen, belastenden oder unbesetzten Tätigkeiten zu entlasten.“ Er sieht die Zukunft in einer sinnvollen Arbeitsteilung: Roboter übernehmen Routinetätigkeiten, während Menschen sich auf zwischenmenschliche Aufgaben konzentrieren – sei es im Café, im Restaurant oder in der Pflege.
Demokratisierung der Robotik und gesellschaftlicher Wandel
Robonnement verfolgt eine klare Mission: „Technologie darf kein Privileg für Grosskonzerne sein. Wir wollen Robotik demokratisieren, damit auch kleine Unternehmen und Menschen mit weniger Ressourcen profitieren.“ Malinas sieht darin einen gesellschaftlichen Auftrag: „Wenn wir Roboter nur für die Reichsten und Mächtigsten bauen, verpassen wir die Chance, Arbeit sicherer, fairer und menschlicher zu machen.“
Schweiz als Innovationsstandort und Sprungbrett
Für Nimrod Malinas ist die Schweiz und besonders der Kanton Zürich der ideale Ort für Innovation: „Hier zählt, ob dein Produkt ein echtes Problem löst – nicht, wie gross dein Marketingbudget ist. Die Startup-Community ist stark, Investoren sind offen, und die Rahmenbedingungen stimmen. Wer hier startet, ist Teil einer grossen Familie, die Innovation fördert.“ Er ist überzeugt: „In der Schweiz kann man mit einer guten Idee und echtem Mehrwert schnell Fuss fassen. Das Ökosystem ist unterstützend und offen für Neues.“
Dream Shamelessly Big – aber mit Bodenhaftung
Malinas’ Rat an andere Gründer:innen ist klar: „Träume schamlos gross – frag dich: Wie gross würdest du träumen, wenn du wüsstest, du könntest nicht scheitern? Aber bleib dabei bodenständig. Bootstrapping, also das schrittweise und nachhaltige Aufbauen eines Unternehmens, hält dich geerdet und sorgt dafür, dass du echte Probleme löst.“
Er weiss aus eigener Erfahrung, wie hart der Weg sein kann: „Innovation bedeutet, täglich gegen Widerstände anzukämpfen und Menschen von neuen Ideen zu überzeugen. Aber wenn die Vision stark genug ist, lohnt sich der Weg.“
Roboter für Menschen, nicht umgekehrt
Die Geschichte von Robonnement und Nimrod Malinas zeigt, wie Technologie gesellschaftlichen Wandel anstossen kann – wenn sie mit Verantwortung, Mut und einem klaren Zweck eingesetzt wird. Roboter sind keine Bedrohung, sondern können zu Verbündeten werden, die Arbeit sicherer, fairer und menschlicher machen.
„Wie gross würdest du träumen, wenn du wüsstest, du könntest nicht scheitern? Genau das ist der Spirit, den wir brauchen – für die Robotik und für die Zukunft der Arbeit.“
---
Über den Podcast AI Talk
AI Talk ist der Podcast über Künstliche Intelligenz in der Schweiz – mit echten Macher:innen, Expert:innen und Entscheidern aus Tech, Forschung, Politik und Wirtschaft. Moderiert von Stephan Lendi und Dalith Steiger-Gablinger beleuchtet der Podcast in jeder Folge neue Perspektiven rund um Innovation, Verantwortung und die konkrete Anwendung von KI-Technologien. Ob Ethik, Regulation, Talententwicklung oder Deep Tech – AI Talk verbindet persönliche Einblicke mit strategischem Weitblick.
Jetzt reinhören, vernetzen & mitdenken:
You are currently viewing a placeholder content from Default. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.
More InformationSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr Informationen