Rückblick: AI Talk Live-Podcast zeigt die Breite der KI-Sandbox des Kantons Zürich

Der AI Talk Live-Podcast im Rahmen der Informatiktage Zürich 2026 machte deutlich, wie breit die KI-Sandbox des Kantons Zürich aufgestellt ist und wie konkret Künstliche Intelligenz bereits heute in unterschiedlichen Praxisfeldern eingesetzt wird. Moderator Stephan Lendi führte durch den Abend und sprach mit Raphael von Thiessen, Leiter der KI-Sandbox des Kantons Zürich, sowie mit den Gästen Gábor Márk Somfai, Michelle Plüss und Paula Reichenberg über drei sehr unterschiedliche Sandbox-Projekte.

Gerade diese Zusammensetzung machte den Reiz des Formats aus: Auf der Bühne kamen Perspektiven aus klinischer Praxis, HealthTech-Unternehmertum, Sprach-KI und kantonaler Innovationsförderung zusammen. Der Abend zeigte damit exemplarisch, dass die KI-Sandbox keine Initiative für einen einzelnen Sektor ist, sondern eine Plattform, auf der KI-Anwendungen unter realen Bedingungen getestet, regulatorisch eingeordnet und im Zusammenspiel von Technologie, Verwaltung und Praxis weiterentwickelt werden.

Raphael von Thiessen und die Sandbox-Perspektive

Eine Schlüsselrolle kam Raphael von Thiessen zu, der die Innovation-Sandbox für KI beim Kanton Zürich leitet. Die Innovation-Sandbox beschreibt sich als Testumgebung, in der Akteurinnen und Akteure KI-Vorhaben innerhalb eines klar definierten Rahmens umsetzen können, wenn technologische, regulatorische oder datenbezogene Unsicherheiten Innovation sonst bremsen würden. So verfolgt die Sandbox das Ziel, verantwortungsvolle KI-Innovation zu fördern, Kompetenzen in KI-Regulierung aufzubauen und das interdisziplinäre Ökosystem im Raum Zürich zu stärken.

Dass Raphael von Thiessen in der Runde präsent war, verlieh dem Anlass eine wichtige Einordnungsebene. Er stand nicht nur für die Perspektive der Standortförderung, sondern auch für die Frage, wie aus einzelnen Pilotvorhaben systematische Erkenntnisse für Verwaltung, Wirtschaft und Forschung entstehen können.

Gábor Márk Somfai und die Digitale Augenklinik

Mit Gábor Márk Somfai war ein Vertreter der klinischen Praxis auf der Bühne, der als leitender Arzt am Augenzentrum Zollikerberg und an der Augenklinik des Stadtspitals Zürich tätig ist. Das von ihm vertretene Projekt der Digitalen Augenklinik steht für KI-gestützte Diagnostik und die Frage, wie sich bildbasierte Verfahren verlässlich in medizinische Abläufe integrieren lassen.

Gerade dieses Projekt veranschaulicht, wie KI in hochsensiblen medizinischen Kontexten eingesetzt werden kann, ohne dass die Anforderungen an Validierung, Verantwortung und Vertrauen an Bedeutung verlieren. Es machte im Rahmen des Live-Podcasts deutlich, dass medizinische Innovation nicht allein an der technologischen Leistungsfähigkeit gemessen wird, sondern auch daran, wie gut sie in den klinischen Alltag passt.

Michelle Plüss und medizinische Dokumentation

Michelle Plüss brachte mit MPAssist die Perspektive eines HealthTech-Startups ein, das sich mit KI-gestützter medizinischer Dokumentation beschäftigt. Das offizielle Veranstaltungsprofil beschreibt ihren Beitrag als Ansatz, der Ärzt:innen entlastet, medizinische Berichte automatisiert und gleichzeitig Qualität und Effizienz steigert.

Damit stand ein Anwendungsfeld im Mittelpunkt, das für viele Institutionen besonders greifbar ist: administrative Entlastung im Gesundheitswesen. Zugleich zeigt gerade dieses Feld, wie eng Produktivität, Datenschutz, Berufsgeheimnis und regulatorische Fragen miteinander verflochten sind, sobald KI mit sensiblen Gesundheitsdaten arbeitet.

Paula Reichenberg und maschinelle Übersetzung

Paula Reichenberg repräsentierte mit NEUR.ON den Bereich der maschinellen Übersetzung und sprach über den Einsatz moderner Übersetzungsmodelle in spezialisierten Kontexten. Das Veranstaltungsprofil hebt hervor, dass dabei Qualität, Kontext und Ethik entscheidend sind, wenn Sprachbarrieren mit KI überwunden werden sollen.

Wichtig für die Einordnung des Abends ist dabei, dass dieses Projekt nicht dem medizinischen Bereich, sondern dem rechtlichen beziehungsweise spezialisierten institutionellen Umfeld zugeordnet wird. Gerade dieser Unterschied machte sichtbar, wie breit die Sandbox angelegt ist: Sie umfasst nicht nur HealthTech, sondern auch Anwendungen, in denen Sprache, Präzision und institutionelle Verantwortung im Vordergrund stehen.

Drei Projekte, eine gemeinsame Logik

Die drei vorgestellten Projekte unterschieden sich deutlich in ihrer fachlichen Logik: klinische Diagnostik, medizinische Dokumentation und maschinelle Übersetzung im rechtlich sensiblen Kontext. Trotzdem verband sie eine gemeinsame Grundfrage: Wie kann KI unter realen Bedingungen so entwickelt und eingesetzt werden, dass sie einen konkreten Nutzen stiftet und zugleich den Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und Verantwortung gerecht wird?

Genau hier wird die Stärke der KI-Sandbox sichtbar. Sie ist keine reine Schaufenster-Initiative für futuristische Use Cases, sondern ein Rahmen, in dem Unternehmen, Forschung und öffentliche Hand gemeinsam daran arbeiten, KI von der Idee in die belastbare Praxis zu überführen.

Mehr als ein Technologie-Event

Der AI Talk Live-Podcast war damit weit mehr als eine Diskussion über Tools oder Trends. Er zeigte, dass der produktive Umgang mit KI dort beginnt, wo unterschiedliche Rollen zusammenkommen: ein Moderator, der die Debatte verständlich strukturiert, ein Sandbox-Verantwortlicher, der den institutionellen Rahmen aufzeigt, und Gäste, die aus ihren konkreten Projekten berichten.

Mit Stephan Lendi als Gastgeber, Raphael von Thiessen als Stimme der KI-Sandbox sowie Gábor Márk Somfai, Michelle Plüss und Paula Reichenberg als Projektvertretungen entstand ein Format, das die Breite des Zürcher KI-Ökosystems sichtbar machte. Gerade in dieser Kombination lag die Signalwirkung des Abends: KI wird dann gesellschaftlich relevant, wenn sie interdisziplinär, verantwortungsvoll und praxisnah gestaltet wird.

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